Typisch Niedersachsen: die Baschlik-Mütze getragen von Dietmar Wischmeyer
Wir Niedersachsen

Mythos Baschlik-Mütze

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Seit hundert Jahren wird sie getragen: die Baschlikmütze. Ob Sommer oder Winter, bei Ansitz, Drückjagd, Nachsuche … – für viele Jäger gehört sie zur Jagd wie das Gewehr, das Fernglas und der Rucksack.

Generationen von Förstern und Nachsuchenführern trugen sie, beim „Verband der Jagdaufseher Niedersachsens“ gehört sie zur Dienstkleidung, Dietmar Wischmeyer alias „Günther der Treckerfahrer“ liebt sie und Jan Fedder alias „Kurt Brakelmann aus Büttenwarder“ konnte man sich ohne sie kaum vorstellen: Die Rede ist von der Bergmütze – auch Baschlik- oder Skimütze genannt.

Das würde kaum ein Hut verzeihen: Die Baschlikmütze kann man locker in die Hosentasche stecken.
Foto: Thomas Fuchs
Eine Baschlikmütze zusammengerollt in der Hosentasche.

Jahrhundertealtes Prinzip

Eine Baschlik war ursprünglich die traditionelle Kopfbedeckung eurasischer Reitervölker. Sie war so gestaltet, dass sich an einer kapuzenähnlichen Kappe aus Schaffell oder Wolle zwei lange Zipfel befinden, die sich ihr ­Träger als Schutz vor Kälte und Sturm wie einen Schal um den Hals schlingen kann. Spätestens im 18. Jahrhundert trugen auch die russisch-ukrainischen Kosaken solche Kappen und brachten sie während der Befreiungskriege mit in die deutschen Lande. Im Jahr 1868 entwickelte die österreichisch-ungarische Armee dann eine neue Dienstmütze aus Filztuch – die „Feldkappe“. Sie hatte einen oval geschnittenen Mützendeckel und seitlich und hinten einen Ohren- und Nackenschutz, der bei Kälte heruntergeklappt und bis unter den Uniformkragen gesteckt werden konnte. Zudem hatte sie einen Augenschirm aus weichem Tuch. Ab 1871 wurden Feldkappen für weitere kaiserliche und königliche Einheiten mit einem sichelförmig geschnittenen  Augenschirm aus Leder aufgewertet.

Vom Militär zur Mode

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen zivile Varianten der Mütze in Mode. Vor allem beim Sport und hier ganz besonders beim Skifahren. Denn die klassische Bergmütze ist eine AllwetterKopfbedeckung, die bei Kälte die Ohren vollständig abdeckt. 

Knautschen oder Quetschen lässt die Mütze klaglos über sich ergehen. Hier würde ein Hut sicherlich auf Dauer Schaden nehmen.
Foto: Thomas Fuch
Fernglas liegt auf Baschlikmütze

An der Stirnseite der Mütze über dem Schirm ist der Schutz nur etwa viereinhalb Zentimeter ­schmal und mit Knöpfen oder einer Schnalle verbunden. Im ­heruntergeklappten Zustand kann er unter das Kinn gezogen und dort befestigt werden und dient dann als Kinnriemen. So sitzt die ­Mütze fest auf dem Kopf und kann nicht wegwehen. Diese ­Vorteile führten dazu, dass die Deutsche Wehrmacht kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges die ­Bergmütze bei den ­Gebirgsjägern einführte. 

Nicht nur in den Bergen

Ab 1941 wurde die Berg­mütze in einer leichteren Version für heiße Regionen gefertigt. Der herunterklappbare Stoff entfiel und wurde lediglich durch eine Ziernaht angedeutet. Die Vorteile der Bergmütze führten schließlich dazu, dass in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1943 ein ähnliches Modell als Einheitsfeldmütze in allen Truppenteilen ­eingeführt wurde. Sie war leichter, niedriger und mit einem ­längeren Schirm ausgestattet als die Bergmütze, allerdings fehlten bei dieser Version die seitlichen Lüftungsösen. Nach dem Krieg trugen viele Männer bei der Arbeit militärische Mützen. Zudem begann schnell die Produktion zahlreicher Varianten für verschiedene Behörden, Berufsgruppen, Institutionen und Organisationen wie die Polizei, die Post, der Bundesgrenzschutz, Autobahnmeistereien, das Deutsche Rote Kreuz, der ADAC, die Bundeswehr, für Förster und natürlich für Landwirte. Bis heute ist die Form besonders im nördlichen Deutschland beliebt und gehört auch bei norddeutschen Treckerfahrern und Schauspielern, die das ländliche Leben karikieren, zur ­typischen Ausstattung. In ihrer traditionellen Form wird die Bergmütze heute noch von (Berufs-)Jägern, Jagdaufsehern, Gebirgsjägern und bei Feuerwehren getragen. Die vereinfachte leichte Version mit Stoffschirm ist die aktuelle Feldmütze der Bundeswehr. Daneben gibt es eine Vielzahl verschiedener ­Stoffe und Funktionen.

Praktische Vorteile

Verglichen mit Hüten oder den modernen Kappen im amerikanischen Basecap-Stil haben die klassische Bergmütze und ihre leichten Sommervarianten verschiedene praktische Vorteile. Zuerst einmal braucht man keine Angst haben, dass sie im Auto verknicken, wenn man etwas Schweres drauflegt. Während Hüte unter Gewicht schnell aus der Form gehen, macht dies der Bergmütze nichts aus. Die ­leichten Varianten sind sogar dafür vorgesehen, zusammengefaltet und in die Tasche gesteckt zu werden – vor allem, wenn sie einen durchgenähten Schirm aus verstärktem Stoff haben. Hüte haben oft ein Schweißband aus Leder. Ein solches Schweißband macht seinem Namen alle Ehre und man schwitzt enorm! Heutige Bergmützen kann man darum nicht nur in verschiedenen Formen und Oberstoffen bekommen, sondern beispielsweise auch mit einem austauschbaren Schweißband aus Frottee, das per Klettstreifen befestigt ist. Das trägt sich angenehmer als das klassische Schweißleder. 

Bei einigen Modellen kann man die Ohrenschützer herunterklappen und unter dem Kinn befestigen.
Foto: Sascha Numßen – © Sascha Numßen

Schießen, Suchen, Schlafen

Im Sommer reicht zwar meist ein Basecap. Sobald es in der Übergangszeit aber kühler wird oder leichter Wind aufzieht, ist das Basecap zu dünn und besonders am Hinterkopf – bei der Verstellöffnung – zieht es unangenehm. Hier ist die Bergmütze angenehmer. Damit sie gut sitzt – und notfalls wärmt – sollte sie immer den gesamten Hinterkopf umfassen. 

Die leichte Sommerversion der Bergmütze hat den Vorteil, dass man darunter nicht so stark schwitzt wie unter einem Hut. Zudem kann sie problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden. Dies ist bei Geruch oder Flecken gegenüber vielen Hüten ein klarer Vorteil.

Nachsuchenführer schätzen an der klassischen Baschlikmütze, dass man die umlaufende Klappe als Kinnriemen nutzen kann, wenn es in Gebüsch und Dornen mal dichter wird. Ebenso, wenn man zur Kontrolle der Fallen durch die Büsche muss. Andere nutzen eine gummierte Warnversion. 

Stabiler als ein Hut

Dann hält kein Hut auf dem Kopf und auch das Basecap ist im Dichten gleich weg. Das entscheidende Argument für eine Mütze statt Hut, ist aber für viele Jäger ein anderes: Der Gehörschutz passt drüber! Denn der passt weder über einen Hut noch unter diesen. Und wer gern und oft lange ansitzt, lernt noch eine andere Eigenschaft zu schätzen: Mit der Mütze auf dem Kopf kann man diesen mal am Kanzel­korpus anlehnen und ein Nickerchen ­halten. Spätestens hierbei stört beim Hut die Krempe.

Geschrieben von Thomas Bock