Stutzen mit Überläufer
Waffenumbau

Mauser 98: Aus alt wird neu

Text von Benedikt Schwenen

Lohnt es sich, alte Schätze wieder alltagstauglich zu machen? Auf jeden Fall. Mit einigen Finessen werden sie heutigen Anforderungen gerecht.

Gelungener Auftakt mit der neuen Alten: Erste Drückjagd, erste Sau.
Foto: Benedikt Schwenen
Gelungener Auftakt mit der neuen Alten: Erste Drückjagd, erste Sau. Foto: Benedikt Schwenen – © BS

 Es geht in diesem Fall um eine führige, schlanke Begleiterin. Ein biss­chen verspielt, aber auch nicht zu aufgedonnert. Leichte Schaftverschneidung und ein dezentes Finish geben der 72-Jährigen das gewisse Etwas. Ein paar Schrammen hat sie, doch es ist eben dieses Nicht-perfekt-sein-Wollen, das sie so liebenswert macht. Und natürlich sind es die Abenteuer, die wir gemeinsam erlebt haben: die erste Brunft, die erste Rausche. Die Büchse Modell Mauser 98 war ein Geschenk von meinem Vater zur bestandenen Jägerprüfung. Ausgestattet per Suhler Einhakmontage mit einem Zielfernrohr 6 x 42. Das alte Metallfaden-Absehen „blüht“, es rostet. Das Gehäuse ist wohl nicht mehr ganz dicht, kommt im Alter ja schon mal vor. Das Kaliber 7 x 57 wurde mir, dem jungen unerfahrenen Besitzer, dann auch noch schlechtgeredet. Und so hielt ein Geradezugrepetierer in
.30-06 mit schwarzem Plastikschaft Einzug. Die Alte blieb im Schrank, geriet aber nie in Vergessenheit.

Büchsenmachermeister und Schäfter: Karl-Heinz Hirschle restauriert gern ältere Waffen.
„Es ist schade, wenn solche Waffen im Schrank stehen und nicht mehr benutzt werden.“
Foto: Benedikt Schwenen
Büchsenmacher mit Waffe in der Hand

Auf der Suche nach einem, der das Projekt „Reaktivierung“ umsetzt, darf man keine Angst vor Rückschlägen haben. In diesem Fall hat es drei Anläufe gebraucht: „Lohnt nicht mehr“, hieß es bei zwei Gesellen, denen es scheinbar an Leidenschaft für Handarbeit oder Können fehlte. „Natürlich mache ich das“, war hingegen die klare Ansage von Meister Karl-Heinz Hirschle aus Blaubeuren. Bei der Übergabe zeigte der Württemberger mir eine sehr ähnliche Waffe: ebenso eine Mauser 98, jedoch mit Direktabzug und variablem Glas. Sie gehört dem Büchsenmacher selbst und wird beinah täglich ausgeführt. Der perfekte Partner war gefunden.

Der größte Posten war eine neue Optik. Damit dem Stutzen die Führigkeit erhalten bleibt, wollte ich kein dickes Rohr montieren lassen. Die Wahl fiel auf das Meopta R2 1,7 - 10 x 42 mit 4K Leuchtkreuz-Absehen (s. übernächste Seite). Die neue Montage sollte schön flach sein, mit Henneberger-Montage­teilen gelang das. Danach kam die Zicke durch: Der Verschluss ließ sich nicht mehr öffnen, weil das Zielfernrohr-­Okular im Weg war. „Den Kammerstängel flex ich ab, schweiß ich neu“, zeigt sich Meister Hirschle unbeeindruckt.

98er Stutzen nach Umbau

Der nächste Schritt war der Abzug. Standardmäßig ausgestattet mit einem Deutschen Stecher, hat sich der Schütze für einen modernen, etwas breiteren Direktabzug von Recknagel entschieden. Das Züngel schmiegt sich an die Kuppe und lässt ohne jegliches Vorspiel bei 1100 Gramm die Kugel aus dem Lauf. Ideal für die winterliche Drückjagd und dank guter Abzugcharakteristik ebenso für Punktschüsse geeignet.

Technische Daten

  • Umbaukosten 98er Stutzen
  • Hersteller: Nachkriegs–Büchsenmacherarbeit
  • Umbau: BMM Karl-Heinz Hirschle,
  • 89143 Blaubeuren, t 07344-7893
  • w www.waffen-hirschle.de
  • Umbaupreis: ca. 2530 € (inkl. ZF, Montage, Kontrastvisier, Sicherung)
  • Gewicht: 3,1 kg
  • Gesamtgewicht: 3,7 kg mit Meopta -Meostar R2 1,7 – 10 x 42 RD (UVP 1299 €)
  • Sicherung: 3-Stellungs-Schlagbolzensicherung an linker Gehäuseseite – 180 €
  • Zielfernrohrmontage: Henneberger Schwenkmontage (30-mm-Ringe) – 380 €
  • Visierung: 100-m-Standkimme mit 200-m–Klappkimme, Perlkorn; soll später eventuell durch ein Kontrastvisier ersetzt werden – zirka 250 €
  • Lauflänge: 49 cm (7 x 57), wurde am System nachbrüniert – 150 €
  • Waffenlänge: 105 cm
  • Abzug: Recknagel-Direktabzug (1100 g), -justierbar, samt Einbau – 150 €
  • Magazin: Kastenmagazn mit Klappdeckel
  • System: 98er System -Mauser Oberndorf/ N.; Ändern des Kammerstängels – 120 €

An einigen Ecken konnte gespart werden. Eine seitliche Sicherung oder beispielsweise eine Gummischaftkappe (die bei Stutzen mit größeren Kalibern durchaus angebracht sein kann) hatte der Repetierer schon. Wäre das nicht der Fall gewesen, wären wohl weitere 300 bis 400 Euro fällig gewesen. Teurer wird es auch, wenn neu brüniert werden muss oder eine offene Kontrast-Visierung für den „Nahkampf“ nachgerüstet werden soll. Natürlich kostet der Spaß. Doch lohnt es sich? Für den hier vorgestellten Umbau wurden rund 2530 Euro (inkl. ZF) investiert. Dafür bekommt man kaum eine gleichwertige Neuwaffe (mit ZF). Und eine Seele hat die Unbekannte schon mal gar nicht. Ebenso unbezahlbar: Der erste Blick, wenn der Sohn seinem Vater die alte, aufgedonnerte Weggefährtin vorführt.

Geschrieben von Benedikt Schwenen