Zweifelsfälle der Jägersprache

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Vor Jahren hat der Begriff „Bewegungsjagd“ Eingang in die Jägersprache gefunden. Was es damit auf sich hat, welche Jagdart jeweils darunter zu verstehen ist, und ob er tatsächlich überhaupt Sinn macht, erörtert unser Fachmann für die Waidmannssprache.

Der Begriff „Bewegungsjagd“ an sich bringt „alles oder nichts“ zum Ausdruck, denn bei einer Jagd – ob Einzel- oder Gesellschaftsjagd – „bewegt“ sich immer etwas: Jäger, Treiber und Hunde auf der einen – das Wild auf der anderen Seite. Im Sprachgebrauch heißt es „Ich gehe auf – oder zur – Jagd“, und der befragte Jäger ergänzt, auf „welche Jagd“ er geht, das heißt um welche Art von Jagd es sich handelt. Also: Pirsch- oder Ansitzjagd, Drück- oder Stöberjagd und so weiter, also Jagd in der ursprünglichen Bedeutung „Jagd auf Wild machen“. Als Allgemeinbegriff wäre „Bewegungsjagd“ so überflüssig wie der Wurmfortsatz des Blind­darms. Auch als Bezeichnung für eine spezielle Jagdart kommt „Bewegungsjagd“ nicht in Betracht, da das Bestimmungswort „Bewegung“ alles offen lässt, also eine Jagdart nicht näher bestimmt. Ist das also der Grund (oder die Bequemlichkeit) dafür, dass diese „alles und nichts“ sagende Bezeichnung Fuß fassen konnte und auch mehr und mehr Eingang in die ­jagdliche Umgangssprache fand? 

Der Begriff „Bewegungsjagd“ wurde ins Leben gerufen zur Umschreibung einer Art Stöberjagd auf Schalenwild, d.h. einer groß angelegten Waldjagd mit mehr oder weniger Hunden bis Wachtelgröße vor allem auf Rotwild, wie sie von ihren Verfechtern für geschlossene Waldungen empfohlen wird. Doch diese Jagdart schlechthin als „Stöberjagd“ zu bezeichnen, trifft nicht „des Pudels Kern“.

Eine Drückjagd – ob Rotwilddrück, Fuchsriegeln oder Ansitzdrückjgad – ist stets eine „leise“ Jagd ohne Hunde.

Dr. Hans-Dieter Willkomm

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