Anschneiden von Wild

Zerrupft und aufgefressen

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Wild anzuschneiden ist ein erlerntes Verhalten und absolut unerwünscht. Jagdhunde, die anschneiden, sind jagdlich nicht brauchbar, denn ihr Führer kann nie sicher sein, ob der Vierläufer – wenn er länger ausbleibt – noch nicht gefunden hat, was er bringen soll oder ob er es gerade genüsslich auffrisst. Folgend einige Tipps, wie man vermeidet, dass der Hund Wild anschneidet und wie man bei Anschneidern gegensteuert.

Nutzt man „unangenehmes“ Wild wie Krähen für eine Übung, fällt es dem Hund zu Beginn leichter, dem Anschneiden zu widerstehen.

Bei jeder Such-, Drück- und Treibjagd und grundsätzlich bei jeder Jagd auf Federwild muss in Niedersachsen ein für die Jagd brauchbarer geprüfter Jagdhund mitgeführt werden. Das Ziel ist klar: Der Jagdhund soll das beschossene Wild sicher finden und verwertbar bringen oder seinen Führer dorthin führen, wo es sich befindet, ohne dass der Hund zuvor vom Wild gefressen hat.

Um diese Leistung zu überprüfen, gibt es die Brauchbarkeitsprüfung der Landesjägerschaft und die Verbandsgebrauchsprüfung der Zuchtverbände. Bestandteil dieser Prüfungen ist, dass der Hund verlorenes Wild sucht und findet und zudem eine sogenannte Anschneideprüfung besteht. Dabei wird der Hund an einem Stück Schalenwild abgelegt, das er zuvor beim Arbeiten einer Schweißfährte gefunden hat. Der Hundeführer und die Richter gehen bei dieser Anschneideprüfung unter Wind außer Sicht, sodass sich der Hund unbeobachtet fühlt. Der Vierläufer muss an seinem zugewiesenen Platz liegen bleiben und darf das Stück weder beuteln, wegtragen oder -ziehen oder gar daran kauen – also nicht anschneiden und vom Stück fressen.

Anschneider verursachen Schaden

Was bei der Prüfung meist gut klappt, funktioniert in der Praxis bei manchem Hund nach einer kurzen Weile gar nicht mehr. Da wird dann munter jede Ente zerknautscht, bei der Treibjagd auf dem apportierten Kaninchen oder Hasen herumgekaut und bei der Drückjagd auf Schalenwild am zufällig gefundenen Stück die Drossel gepackt, an der Decke gerupft, am Waidloch geleckt und – weil der Hund merkt, dass er nicht kontrolliert oder gar gemaßregelt wird – ganz allmählich die Keule eines gestreckten Rehs angefressen.

Greift der Hund zu stark zu, perforiert er womöglich die Haut der Ente.

Ein Hund, der dies tut, ist nicht nur nicht brauchbar, sondern betreibt schlicht eine Unsitte. Er verursacht für den Jagdherrn einen Schaden. Deshalb ist es korrekt und konsequent, wenn ein Jagdausübungsberechtigter den Hundeführer künftig nur ohne seinen Vierläufer zur Jagd einlädt. Und zwar solange, bis der Hundeführer die Unsitte seines Hundes durch zielgerichtete Ausbildung und kontinuierliches Training zuverlässig beseitigt hat. Denn das Problem hat der Hundeführer selbst verursacht! Es hätte vermieden werden können, wenn er die Anzeichen erkannt und ihnen konsequent entgegen gewirkt hätte.

Anzeichen ernst nehmen

Es gibt Jagdhunde, die von klein auf versuchen, Beute für sich selbst in Besitz zu nehmen. Das verwundert nicht, denn diese instinktive Neigung ist angewölft. Solche Beute kann zunächst eine einfache Entenschwinge sein oder später ein ganzes Stück Federwild, das der Welpe erst vor seinen Wurfgeschwistern oder später vor seinem Führer in Sicherheit bringen und vielleicht sogar eingegraben will. Schnappt der junge Hund gierig nach kaltem Wild, schüttelt er es immer wieder, schleudert er es weg und läuft hinterher, dreht er den Kopf zur Seite, wenn sein Führer ihm die Beute abnehmen möchte, kaut der Hund darauf herum, will mit der Beute weglaufen oder hüpft mit ihr in einigem Abstand aufreizend vor dem Hundeführer herum, sind dies deutliche Warnsignale, die umgehend unterbunden werden sollten. Der Grund für die Eile ist schnell benannt: Weil sich erlerntes Verhalten verfestigt!

Durch verschiedenste Apportiergegenstände lernt der Hund während der Ausbildung seinen Griff entsprechend anzupassen.

Das Gehirn eines jungen Welpen erlebt in dessen ersten Lebenswochen einen rasanten Entwicklungsschub. Im selben Maße wie die Läufe länger und der Körper größer werden, entwickelt sich auch der Geist. Mit allen Reizen aus seiner Umgebung und allem, was der Welpe sieht und lernt, vernetzen sich die Neuronen im Gehirn des Hundes und prägen ihn für sein späteres Leben.

Mancher Züchter überlässt seinen Welpen früh verschiedene Teile vom Wild. Das kann eine Rehdecke sein, ein alter Fuchsbalg oder eine Sauschwarte. Die Welpen dürfen sie packen, daran herumzerren, sich mit den Wurfgeschwistern darum balgen, die Decke oder Schwarte auseinanderreißen, daran knabbern und letztlich ihren Teil der Beute in Sicherheit bringen. Eine solche Form der Prägung kann bereits einen Anschneider begünstigen…

Den vollständigen Artikel Sie im Digitalmagazin des Niedersächsischen Jägers in der Ausgabe 16/2022.

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