Laufschüsse bei Schalenwild

Schweiß & Splitter

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Jeder Jäger möchte stets einen sauberen Schuss auf Wild abgeben. Manchmal ist der Schütze jedoch zu tief abgekommen und ein Laufschuss die Folge. Wie man diesen erkennt und was man anschließend bei der Nachsuche beachten muss, erklärt ein Nachsuchenführer.

Bei einem Lauftreffer findet man in der Regel Knochensplitter am Anschuss. – © Alexander Kelle

Paul sitzt an einem milden Abend an einer Wildwiese an. Ein Schmaltier und ein Schmalspießer treten aus. Der Jäger macht sich fertig. Sein Puls steigt. Als das Schmaltier breit steht, lässt er fliegen. Das Stück steigt vorne hoch und springt ab. Der Spießer mit. Da noch halbwegs gutes Büchsenlicht ist, baumt Paul zügig ab. Den Anschuss kann der Schütze im hohen Gras nicht finden, wohl aber den Einwechsel in den Bestand. Dort entdeckt er hoch abgestreiften hellen Schweiß. „Sieht aus wie Lunge,“ denkt Paul – also weiter, „die Gefahr des Verhitzens ist zu groß.“ Irgendwann hat er den Eindruck, dass ein Stück Wild vor ihm abspringt. Erst bei völliger Dunkelheit gibt er endlich auf.

Die Sonne steht hoch am Himmel, als der Nachsuchenführer am kommenden Tag eintrifft. Während der Hund die Fährte ruhig arbeitet, verweist er immer wieder angetrockneten Schweiß. Nach über 800 Metern wird der Hund plötzlich laut – ein frisches Wundbett. Der Nachsuchenführer schnallt den Jagdhund. Mithilfe eines Ortungsgerätes ist der Verlauf der Hatz gut zu verfolgen. Der Hundeführer versucht Anschluss zu halten – erfolglos. Nach über einer Stunde hat der Hund das Stück immer noch nicht zustande gebracht und bricht die Hatz völlig erschöpft ab.

Da das Gewicht auf den gesunden Lauf verlagert wird, ist dessen Trittsiegel bei der Flucht deutlich gespreizt. – © Alexander Kelle

Vier Tage später wird der Reviernachbar über ein weibliches Stück Rotwild in einer Wiese informiert. Er fährt hin, schultert die Waffe und pirscht darauf zu. Erst als der Jäger bis auf 30 Meter heran ist, wird das Stück hoch und flüchtet über den Bach. Dabei erkennt er, dass es einen der Läufe schont. Es gelingt ihm, das erkennbar kranke Stück zu erlegen. Es war das erfolglos gesuchte Schmaltier mit einem hohen Vorderlaufschuss. Der Brustkern war durch die Kugel nur leicht gestreift.

Ein Blick in die ­Statistik

Nachsuchenauswertungen gibt es von mehreren Nachsuchenführern wie beispielsweise Arenz, Briedermann, ­Mades, Nepolsky oder Platte, um nur ­wenige zu nennen. Einige Fakten und ­Erkenntnisse zu Laufschüssen lassen sich von allen ab­leiten.

Mehr zum Thema Laufschüsse beim Schalenwild erfahren Sie im Digitalmagazin des Niedersächsischen Jägers in der Ausgabe 24/2021.

Bei Laufschüssen sollte stets ein erfahrenes Nachsuchengespann hinzugerufen werden. Meist muss mit einer langen Riemenarbeit und einer Hatz gerechnet werden.
– © Alexander Kelle

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