Zwei Jagdhunde mit verschiedenen Anti-Zeckenmitteln
Zeckenmittel im Vergleich

Das große Krabbeln

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Endlich ist der Winter rum. Ab mit dem Hund ins Revier und Fährten oder Schleppen legen, ihn suchen und apportieren lassen – wenn da nicht die Zecken wären! Anti-Zeckenmittel gibt es zuhauf, aber was wirkt zuverlässig bei Hunden? Foxterrier „Emma“ und Cockerspaniel „Charly“ haben es herausgefunden.

Das Internet ist voll mit Anti-Zecken- und Flohschutzmitteln, die Palette reicht vom Fell-Pflege-Spray über Spot-on-Lösungen bis hin zu Halsbändern. Ich verliere den Überblick und bin mir nicht sicher, ob die Produktbewertungen tatsächlich alle neutral oder doch gekauft sind. Also ab zur Tierarztpraxis meines Vertrauens. Andrea Göbel von der Tierarztpraxis Rockhoff weiß Rat: „Die Spot-on-Lösungen sind im Allgemeinen für die Hunde sehr gut verträglich und wirken optimal gegen Zecken und Flöhe.“ Die Tierärztin tippt auf eine der exspot-Schachteln im Regal. „Wir haben für Ihre Hunde beides vorrätig, für ‚Emma‘ reicht die Dosierung mit der 1 ml Pipette, ‚Charly‘ muss die mit 2 ml haben, weil er größer ist und über 15 Kilogramm wiegt.

Verschiedene Lösungen

„Was können Sie sonst noch empfehlen?“ Die Tierärztin schaut erneut ins Regal. „BravEcto, eine Kautablette. Deren Wirkstoffe gelangen in den Blutkreislauf, und sobald sich Zecken oder Flöhe am Hund festsaugen, werden diese nach kurzer Zeit abgetötet. Sie sollten die Tablette Ihren Hunden jedoch nicht auf nüchternen Magen geben, am besten unters Fressen mischen oder separat anbieten und die Hunde beobachten. Warum?“ „Manche würgen die Tablette wieder aus. Deshalb sollten Sie auch möglichst danebenstehen und sie dann noch einmal anbieten.“ 

„Was halten Sie eigentlich von Anti- Floh- und Zeckenhalsbändern?“ „Ebenfalls eine interessante Alternative, allerdings haben wir sie derzeit nicht vorrätig. Aber die bekommen Sie in jeder Apotheke.“ Nach einem Zwischenstopp bei der Apotheke meines Vertrauens habe ich alles für den Test beisammen – die Zeckenhals­bänder, Spot-on-Lösungen und Kau­tabletten. 

Es ist Anfang April, ein Hochdruckgebiet ist im Anmarsch. Eigentlich wollte ich den Hunden zuerst die Spot-on-Lösung verabreichen, aber wenn die Hunde dann viel im Wasser unterwegs sind, spült sich der Anti-Zecken-Wirkstoff mit der Zeit ab – also doch die Halsbänder mit dem vielversprechenden Namen Kiltix? Die kann ich jedenfalls vor dem Wassereinsatz abnehmen. Klar werden auch hier die Wirkstoffe aus dem Fell gespült, aber das Halsband, die Wirkstoffquelle, habe ich so jedenfalls geschont. Laut Hersteller darf das Band etwas locker sitzen. Über die mit Akarizid und Insektizid behandelten Bänder gelangen die Wirkstoffe dann in Haut und Haar. Die Zecken sterben ab, bevor sie zustechen können. Auf dem Beipackzettel steht jedoch, dass der eine oder andere Hund in seltenen Fällen trotzdem von Zecken heimgesucht werden kann, allerdings bohren sich diese nur in die Haut und fallen spätestens nach drei Tagen ab, „… in der Regel, ohne Blut gesaugt zu haben“.

Vollgesaugte Zecken in Nahaufnahme – © Julia Numßen

Die Halsungen stören die Hunde kaum, am Anfang wird sich etwas gekratzt, aber das war’s dann schon. Nach jedem täglichen Gang durch Feld und Flur suche ich unsere beiden Racker nach Zecken ab. „Charly“ scheint ein seltener Fall zu sein, da er trotz Kiltix immer noch von Zecken heimgesucht wird. Ich befreie ihn nicht von den Plagegeistern und beobachte stattdessen, was geschieht. Tatsächlich: Die Zecken „versteinern“ Stunden später, sterben also ab, ohne sich mit Blut vollgesogen zu haben. Foxl „Emma“ hat während der Testphase von vier Wochen nicht einen einzigen Blutsauger mehr in ihrer „Jacke“ sitzen. Sicher liegt es auch an ihrem kurzen Fell, denn hier kann sich der Wirkstoff optimal ausbreiten. Bei „Charly“ finde ich in den vier Wochen insgesamt sieben abgestorbene Zecken.

Nach dem Hundefrisör

Am 13. Mai nehme ich den beiden Schwarz-Weißen die Halsungen ab, denn ich will eine neue Testphase mit einem anderen Produkt einleiten. Dafür muss jedoch erst einmal die Wirkung von Kiltix verpuffen. Da kommt es gerade recht, dass „Charly“ ein paar Tage später, am 19. Mai, geschoren wird – die restlichen Wirkstoffe von Kiltix, die noch im Fell haften, verfliegen schneller. Danach lasse ich beide Hunde ausgiebig nach Apporteln schwimmen. Drei Tage später, am 22. Mai, scheint die Zeit gekommen zu sein, exspot einzusetzen: An „Emma“ und „Charly“ haften nach einem Ausflug in die Wälder mehrere Zecken, die sich nicht nur angedockt haben, sondern innerhalb kürzester Zeit an Umfang zulegen. Emma reibe ich zwischen die Schulterblätter den Inhalt der 1-ml-Pipette, „Charly“ bekommt die mit 2-ml – bei ihm soll ich laut Packungsbeilage das Mittel von den Schulterblättern bis hin zum Rutenansatz verteilen. 

Laut Hersteller werden die Parasiten durch exspot abgetötet, bevor sie versuchen, die Haut zu durchbohren, also ähnlich wie bei Kiltix. exspot wird, so der Hersteller weiter, mit der Fellbewegung innerhalb eines Tages über die gesamte Haut verteilt und in den oberen Hautschichten eingelagert. Nach der Behandlung mit exspot geht der Zeckenbefall bei „Emma“ und „Charly“ von einen Tag auf den anderen auf null. Bis zum 8. Juni. Wir sind in den Pfingstferien zu einem Familienurlaub zu Freunden aufgebrochen. Ein Temperaturrekord jagt den nächsten, tagsüber schießt das Thermometer auf 34,5 Grad. Die Hunde toben jeden Tag ausgelassen im kühlen Fluss und spülen exspot aus Haut und Haar. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass Hunde, die durch starken Regen laufen oder viel schwimmen, ihren Schutz schneller verlieren. So ist es dann auch nicht weiter erstaunlich, dass die Wirkung von exspot bereits nach 16 Tagen verpufft ist und die blutrünstigen Plagegeister unsere Hunde erneut als Blutspender auserkoren haben. Hätte ich frühzeitig nachgelegt, wäre der Rundumschutz erhalten geblieben.

Alle guten Dinge sind drei

Zuhause angekommen, verabreiche ich beiden Hunden „BravEcto“, die Kautablette, deren Antiparasitikum direkt in den Blutkreislauf transportiert wird. Die Tablette wirkt laut Hersteller sofort, allerdings müssen Zecken und Flöhe dafür den Wirt zuerst einmal anzapfen – mit dem Stechen und der damit verbundenen Blutaufnahme nehmen die Plagegeister den Wirkstoff der Kautablette auf und sterben schließlich ab. Es kann jedoch, darauf weist der Hersteller ausdrücklich hin, nicht ausgeschlossen werden, dass in der Zeit vom Stich bis zum Tod der Zecke Bakterien oder Viren in den Blutkreislauf des Hundes gelangen. 

Hier scheiden sich die Geister – zwei Tierärzte, drei Meinungen. Die geläufigste: „Eine Zecke muss mindestens zwei bis sechs Stunden Blut saugen, bis die Erreger in das Blut des Wirts transportiert werden. Das Antiparasitikum wirkt aber so zügig, dass die Zecke schnell abstirbt und daher keine Krankheiten übertragen werden können.“ Hilft nur eins: Testen! Die braune, weiche Kautablette schmeckt weder „Emma“ noch „Charly“, immerhin spucken sie sie nicht aus. Am nächsten Tag ab ins Revier! Ich finde anschließend zwei Zecken bei „Charly“ und eine bei „Emma“. 

Ich entferne sie nicht, sondern beobachte sie. Nach nur zwei Stunden kann man alle drei abgetöteten Zecken lösen. Der Sommer ist heiß, die Hunde schwimmen oft, und ich schaue entspannt zu, denn die Wirkung der Kautablette kann sich ja nicht abspülen. Während der nächsten drei Monate wird jede Zecke, die versucht sich vollzusaugen, abgetötet. Unsere Hunde sind beide immer noch gesund. 

Fazit: Alle drei „Zecken-Bekämpfungsmittel“ haben mich überzeugt. Am Ende entscheiden, wie so oft, der Blick ins Portemonnaie und die Umstände zuhause (siehe Tabelle), Stichworte Kleinkinder, Katze und ob der Jagdhund viel im Wasser arbeitet. Julia Numßen

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