Birkwild in der Heide

Hurra, das Birkwild lebt noch

Text von Redaktion Niedersächsischer Jäger

Nachdem die Ergebnisse der letztjährigen Zählungen alarmierend waren, stand insgeheim infrage, ob überhaupt noch Birkhühner in der Lüneburger Heide vorkommen. Nun liegen die ersten Zahlen vor, wie es um Lyrurus tetrix, wie der Spielhahn auf Lateinisch heißt, steht.

Das Birkwild (Lyrurus tetrix) ist bei uns in der Lüneburger Heide immer seltener geworden.
Foto: Erich Marek
Birkwild bei der Paarung

Wer Birkwild in der Balz beobachten und verhören will, muss früh raus und dazu noch wissen, wo er suchen muss. Die rar gewordenen Raufußhühner kommen nur noch an wenigen Stellen vor und gehen in den ersten Morgenstunden ihrem Balzgeschäft nach.

Besonders markant ist die Geräuschkulisse, die diese bei uns selten gewordenen Vögel aufbauen, um mögliche Partner oder Rivalen auf sich aufmerksam zu machen. Man spricht hier von Kullern und Zischen. Dazu führen die Hähne Balztänze auf, die auf traditionell genutzten Balzplätzen stattfinden. Die Plätze zeichnen sich in erster Linie durch niedrige Vegetation und ein weites uneingeschränktes Sichtfeld aus. Ein Grund, warum gerade die Heideflächen rund um Wilsede und Niederhaverbeck im Balzgeschehen so wichtig sind. Hier finden im März und April noch die imposanten Schaukämpfe der Hähne statt, die dabei ihre Schwanzfedern sträuben und mit nach vorne geneigtem Körper Drohposen gegenüber ihren Rivalen einnehmen. Ein beeindruckendes Schauspiel, das man so schnell nicht vergisst.

Nachdem die Zählungen des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide (kurz VNP) im vergangenen Jahr einen weiteren Rückgang der Besätze zum Ergebnis hatten, war die Sorge um das Überleben der „schwarzen Ritter“ unter Fachleuten und Vogelfreunden gleichermaßen groß. Hoffnung schenkte in diesem Zusammenhang nur der trockene Sommer des vorigen Jahres. Er brachte niederschlagsarme Witterungsverhältnisse mit sich, wie sie Raufußhühner generell schätzen. Aber auch die seit Jahren akribisch betriebene Fallenjagd auf den Heideflächen rund um Wilsede und dem Tütsberg ließ Hoffnung aufkeimen. Leistungsträger der vergangenen Saison war Normann Meyer. Der von der Landesjägerschaft finanzierte und beim VNP angestellte Jäger war im Mai 2019 mit an Bord des Birkhuhn-Schutzprojekts gekommen und hatte sich sofort in die Fallenjagd hineingekniet.

So waren zum Saisonauftakt der Prädatorenjagd 40 Betonrohr-Fallen verteilt auf rund 9.000 ha einsatzbereit. Da zu der Zeit nur gut die Hälfte der Fallen mit einem elektronischen Meldesystem verbunden war, hieß es für Normann täglich raus zur Fallenrunde. Überprüfen, kontrollieren, Fang entnehmen, neu beködern, fängig stellen und zum Teil instandsetzen. Ein Arbeitspensum, das es bei 40 Fangeinrichtungen in sich hat und ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein schon in Hinsicht auf den Tierschutz erfordert. Doch die Mühe lohnt sich, und der Erfolg spiegelt sich in den Fangzahlen wider. So gingen allein über 40 Rotfüchse in die Falle, die zu den Hauptfraßfeinden der Birkhühner gehören. Die Fangzahlen des vergangenen Jagdjahres finden Sie in der angefügten Tabelle unten auf der Seite.

Größerer Planungsumfang durch Corona-Pandemie

Doch nun zu den Besatzzahlen der Birkhühner. Die gute Nachricht: Es gibt sie noch! Zwar hat sich der Besatz nicht merklich erhöht, aber er ist auch nicht – wie von vielen ­befürchtet – völlig eingebrochen. Die Zählungen beim VNP erforderten in diesem Jahr etwas mehr Planungsumfang und fanden aufgrund der besonderen Umstände der Corona-Pandemie weniger gesellig als sonst statt. Das Ergebnis: Auf den Balzplätzen hatten sich rund 20 Exemplare eingefunden.

Ein Trend, den auch Rüdiger Quast von Rheinmetall bestätigen kann. Auf dem Gebiet des Schießplatzes bei Unterlüß können derzeit zehn Birkhühner gezählt und somit die Zahlen des vorigen Jahres gehalten werden. Bleibt abzuwarten, wie sich die Besatzzahlen entwickeln werden und inwieweit die Untersuchungen der Ti-Ho (Tiermedizinische Hochschule) Hannover zur Prädation der Birkhühner weiterhelfen können. In jedem Fall wird mit Unterstützung der Landesjägerschaft  Niedersachsen ein wichtiger Beitrag zum Überleben dieser besonderen Hühnervögel in der Heide geleistet.

Geschrieben von Thomas Bock